Archivjahr 2006 und früher

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Hier findet ihr Texte von uns und anderen,
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Material, das uns zur Verfügung gestellt wurde und mehr.







Schönes neues Mannheim?
… oder eine kleine Geschichte von Umstrukturierung und Widerstand

Aufruf zur Demo als PDF (534 KB)



Ein Kommentar zu den Montagsdemos aus anarchistischer Perspektive

Es wird ständig vom Problem der Arbeitslosigkeit geredet. Nun ist es wahr, dass Arbeitslose tatsächlich immer mehr Probleme gemacht bekommen.

Könnte es aber nicht sein, dass nicht die Arbeitslosigkeit das Problem ist, sondern vielmehr die Arbeit selbst?

In Familie , Schule, Kirche, etc. wird uns von klein auf ein verhängnisvoller und menschenverachtender Arbeitsethos eingeimpft – frei nach dem Motto: wer nicht arbeitet soll auch nicht essen und ist nix wert. Das ganze Leben, der ganze vorgegebene Lebenslauf, die ganze Existenz eines braven Staatsbürgers ist auf die Arbeit ausgerichtet. Wir werden schon in Kindergarten und Schule dressiert, zu funktionieren und zu gehorchen, opfern fast unser ganzes Leben den Unternehmern für die wir arbeiten oder beuten uns selbst aus.

Und wenn wir alt und für die Arbeit unbrauchbar geworden sind, dürfen wir gnädigerweise noch ein paar Jährchen einfach so leben und kriegen etwas Rente oder auch nicht.

Was ist es für ein Armutszeugnis, wenn ein Mensch – wie ich es schon viel zu oft gehört habe – sagt, er wäre unglücklich, wenn er nicht arbeiten könnte. Wenn er damit meint er wäre unglücklich, weil er ohne Einkommen kein menschenwürdiges Leben führen könnte! Aber, nein!

Viel zu viele Menschen schreien nach fremdbestimmter Tätigkeit – und sei es ein noch so entwürdigendes, autoritäres Ausbeutungs- und Abhängigkeitsverhältnis. Sie sagen, es wäre besser als garnichts zu tun und herumzuhängen.

Sicher ist es nicht sehr erfüllend und tendenziell recht langweilig, garnichts zu tun.

Beängstigend ist aber, dass so viele Leute schon so von einem menschenverachtenden Arbeitsethos verdorben und verkümmert sind, dass sie keine Ahnung mehr haben, was sie mit ihrem Leben anfangen könnten – außer zu arbeiten und zu konsumieren. Der Gedanke an selbstbestimmte Tätigkeiten, kreatives Schaffen ohne Zwang, gemäß den eigenen Neigungen, kommt ihnen garnicht mehr in den Sinn.

Wenn die Leute dann arbeitslos werden, bekommen sie massive psychische Probleme, weil sie nix mit sich anzufangen wissen und die Arbeit als scheinbar zentrale Quelle des eigenen Selbstwertgefühls weggefallen ist. So sterben auch viele Menschen kurz nach dem Erreichen des Rentenalters. Sie fühlen sich plötzlich überflüssig und wertlos und werden krank davon.

Die Frage, die wir uns stellen sollten ist: Arbeiten wir eigentlich um zu leben oder leben wir nur um zu arbeiten?!

Wir hören immer wieder, dass es durch den technischen Fortschritt immer weniger Arbeit gibt. Und tatsächlich hat sich die Produktivität in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Paradoxerweise sollen dafür aber die, die Arbeit haben zu schlechter werdenden Bedingungen immer länger arbeiten, statt die Arbeitszeit sinnigerweise einzuschränken. Wer keine Arbeit hat, wird immer öfter zu künstlich geschaffenen Zwangsarbeitsprojekten genötigt.

Jüngst kam der ernstgemeinte Vorschlag, man könne ja Arbeitslose dazu einsetzen, bei Manövern der Bundeswehr die Zivilbevölkerung in einem besetzten Land zu spielen. Wer weiß was ihnen sonst noch so einfällt! Die Forderung, künstlich Arbeit zu schaffen, ist abstrus. Wer würde darum betteln kürzer leben zu dürfen, nur weil es dafür Geld gibt? Die Menschen müssen vielmehr mit allem notwendigen versorgt sein – unabhängig, ob sie arbeiten oder nicht. Einfach weil es ihr Recht ist. Arbeit wird dabei immer überflüssiger. Die Regierung um entwürdigende Beschäftigungstherapien anzubetteln ist einfach grotesk.

Wir dürfen nicht von denen die Lösung unserer Probleme erwarten, die sie vorsätzlich verursachen.

Brandstifter sind schlechte Feuerwehrleute!

Die Funktion eines Staates ist, die Herrschaftsverhältnisse – notfalls mit Gewalt- aufrecht zu erhalten und den Fortbestand von Ausbeutung, Unterdrückung und sozialer Ungleichheit zu gewährleisten.

Die Funktion eines Unternehmers ist, aus einem Betrieb den maximalen Profit herauszupressen. ArbeitnehmerInnenrechte, soziale Absicherung und Löhne sind aus deren Perspektive nichts als Kostenfaktoren, die es zu minimieren gilt.

Deshalb ist es auch egal, wer gerade an der Regierung ist oder ein kapitalistisches Unternehmen leitet.

Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten.

Wir dürfen nicht nach dem Staat oder nach den Unternehmern schreien, wenn es uns schlecht geht. Wer in der Scheisse sitzt, der muss sich erheben und nicht darum betteln, von dem aufgehoben zu werden, der ihn in die Scheisse geworfen hat.

Sie gehen nur so weit wie wir sie lassen und wir haben uns schon vielzuviel gefallen lassen. Jetzt ist es an der Zeit, selbst in die Offensive zu gehen. Es bringt nichts in Rückzugsgefechten einige soziale Grausamkeiten, wie Hartz IV, abzumildern oder neue zu verhindern. Wir müssen das ganze System von Ausbeutung, Spaltung, Unterdrückung und Verarschung bekämpfen!

Es gibt keine gute Regierung. Und es gibt keine guten Kapitalisten. Es gibt nur die Notwendigkeit, beides abzuschaffen.

Wir müssen uns organisieren, eigene autonome Erwerbs- und Versorgungsstrukturen erproben, Lebensmittelkooperativen, Wohnprojekte, Umsonstläden und selbstverwaltete Zentren aufbauen und unseren Geldbedarf auf ein Minimum reduzieren.

Wer viel Geld braucht, bleibt erpressbar.

Wer um niedrig bezahlte Drecksjobs winselt, sorgt nur dafür, das es mit Löhnen und Arbeitsbedingungen weiter bergab geht.

Wir dürfen nicht betteln, wir müssen uns unser Recht auf ein menschenwürdiges Leben nehmen! Dabei dürfen wir uns nicht von sogenannten Volksvertretern erzählen lassen, dass es darum geht ein paar Krümmel mehr vom großen Kuchen abzubekommen. Wir müssen vielmehr eigene Bäckereien aufmachen.

Wir müssen die grausamen und irrationalen Gesetze des Marktes nicht erdulden bis die Erde zerstört und die Masse der Menschheit versklavt ist. Wir müssen den Kapitalismus überwinden.

Wir müssen das Elend beenden und eine Gesellschaft aufbauen, in der die notwendige Arbeit auf ein Minimum reduziert wird bzw. in der die Lohnarbeit, wie wir sie heute erleiden müssen, ganz abgeschafft ist.

Wir brauchen eine dezentrale, bedarfsorientierte – nicht marktorientierte – Produktion zu umwelt- und sozialverträglichen Bedingungen in einer herrschaftsfreien Gesellschaft.

Wir dürfen uns nicht länger unsere Lebenszeit durch den kapitalistischen Wahnsinn versauen lassen!

Wir müssen eine Bewegung aufbauen, die Alternativen zu Kapitalismus, Staatskommunismus und sonstigen zivilisatorischen Sackgassen entwickelt und bekannt macht und eine Massenbasis für die notwendigen globalen Umwälzungen der Zukunft schafft!

Ein Ansatz einer solche Bewegung ist im libertären Teil der globalisierungskritischen Bewegung zu erkennen.

Auf dem G8-Gipfel beraten die Regierungschefs der reichsten Staaten diese Woche über die weitere Durchsetzung der neoliberalen Globalisierung. Die Menschheit bewegt sich mit Vollgas in eine kapitalistische Sackgasse, an deren Ende sich immer deutlicher die Zerstörung des Planeten, Krieg, unüberschaubares Elend, Diktatur und Massenmord abzeichnen. Und das einzige, was den Herrschaften dazu einfällt ist, zu versuchen, dabei auch noch das Tempo zu erhöhen.

Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die diese Woche nach Schottland zum G8-Gipfel gereist sind, um zu zeigen, dass es Opposition gegen die Versklavung und Zerstörung der Welt gibt.

Die Entstehung einer radikalen Opposition gegen die neoliberale Schreckensherrschaft ist der einzige Grund, noch an die Möglichkeit zu glauben, dass es möglich ist, die Sackgasse einzureißen, in die die Menschheit geraten ist, und einen Kurswechsel – weg vom Abhang – zu vollziehen.

Redebeitrag, gehalten am offenen Mikrofon der Mannheimer Montagsdemo vom 04.07.2005 von einem Mitglied der Anarchistischen Gruppe Mannheim




Erich Mühsam Am 09. November 2004 in Neustadt an der Weinstraße gehaltener Vortrag von Johannes K.F. Schmidt, der auf von Radio Libertad gesendet wurde.

Vortrag als MP3 mit variabler Bitrate (37,8 MB)

Kurzbiographie Erich Mühsam als RTF-Textdokument (18 KB)




Montagsdemo-Rede

Wir demonstrieren hier und heute gemeinsam gegen Hartz 4. Das ist der Minimalkonsens dieses Protests. Hartz 4 kann aber auch lediglich als eine Auswirkung von vielen verstanden werden.

Die Ursache – nicht die Auswirkung soll Gegenstand der folgenden Rede sein, die sicher nicht die Auffassung aller hier Versammelten widerspiegelt. Darauf bitte ich Rücksicht zu nehmen.

[...]

Zum Jahresende 2004 wird für die 30 größten im Deutschen Aktienindex (DAX) zusammengefassten Unternehmen ein Ertragsplus von 54% erwartet. Auch die Gewinne der 50 größten europäischen Konzerne sollen in diesem Jahre um rund 20% steigen. Vorstandsmitglieder und Topmanager verabreichen sich Lohnerhöhungen von zum Teil über 100%. Die Geschäfte von Banken und Großkonzernen boomen. Das BIP ist in den letzten 15 Jahren um durchschnittlich 50 Mrd. Euro pro Jahr gestiegen, wodurch der gesellschaftlich produzierte Reichtum massiv zugenommen hat. Auch die Produktivität hat sich verdoppelt. 2003 hat die deutsche Exportindustrie einen Rekordüberschuss von 130 Mrd. Euro erzielt und wurde somit zum Exportweltmeister gekürt. Und da sollen wir den Gürtel enger schnallen?

Wir hören immer wieder, es gäbe keine Alternative zum gegenwärtigen Wirtschaftssystem, die jemals auf Dauer funktioniert hätte. Das mag zwar sein, es ist aber offensichtlich, dass auch der Kapitalismus nicht funktioniert, schon gar nicht auf Dauer.

Milliarden Menschen müssen in Armut, Hunger und Elend leben, weil der Kapitalismus notwendig immer mehr Verlierer hervorbringt.

Momentan wird die Versorgung der Menschen mit lebensnotwendigen Gütern fast nur noch über den Marktgeregelt. Risiken werden privatisiert und die Produktion folgt den Regeln von Angebot und Nachfrage.

Wer allerdings zu wenig Geld hat, um nachfragen zu können, fällt aus dem Versorgungssystem raus. Die Zahl der Menschen, die weder als Konsumenten noch als Produzenten gebraucht werden, steigt somit unaufhörlich. Die Schere der sozialen Ungleichheit öffnet sich immer weiter, einerseits binnenwirtschaftlich (BRD; EU), andererseits global: Jeden Tag sterben zehntausende weltweit am Hungertod und das obwohl Nahrungsmittel längst im Überschuss produziert werden. Statt sie zu nutzen, werden sie weggeworfen, weil das rentabler, als das verschenken ist. Solche Zustände sind keine Ausnahmeerscheinung, sie sind System.

Aber nicht nur auf die Soziale Frage gibt es keine marktwirtschaftliche Antwort.

Wenn weiter nach kapitalistischer Logik Raubbau an der Natur betrieben wird, die Umwelt verseucht und das Klima zerstört wird, bleibt uns wohl keine Zeit mehr aus der sozialen und ökologischen Sackgasse jemals wieder heraus zu kommen.

Der Kapitalismus lässt sich nicht reformieren. Daher wollen wir auch keine sozialere Marktwirtschaft, da auch diese auf massiver sozialer Ungleichheit basiert.

[...]

Der Staat ist ein Instrument der Verteidigung der jetzigen Missstände und steht den notwendigen Veränderungen feindlich gegenüber. Sich vom Staat Hilfe zu erhoffen oder an das Gewissen der Unternehmer zu appellieren kommt dem Versuch gleich Brandstifter für den Dienst in der Feuerwehr zu begeistern.

Weder in der parlamentarischen Parteienlandschaft noch im staatstragenden Gewerkschaftsapparat, werden wir etwas grundlegendes verändern können. Nein, unsere Interessen können wir nur selbst vertreten und dafür ist es höchste Zeit!

[...]

Wir brauchen eine grundsätzliche Abkehr von der marktorientierten Produktion hin zu einer bedarfsorientierten Produktion.

Das Ziel muss sein alle mit allem zu versorgen, was für ein menschenwürdiges Leben notwendig ist – ob sie Geld haben oder nicht. Unser Ziel ist eine gleichberechtigte herrschaftsfreie Gesellschaft in der Elend, Ausbeutung, Unterdrückung, Nationalismus und Umweltzerstörung überwunden werden – egal wie weit wir im Moment davon entfernt zu sein scheinen.

Die Voraussetzung für eine solche Gesellschaft ist der Aufbau alternativer Erwerbs- und Versorgungsstrukturen. Wir müssen uns selbst helfen, uns organisieren und unser Leben in die eigene Hand nehmen!

Tatsächlich haben wir hier noch immer den Status eines Entwicklungslandes, was Protest und Widerstand betrifft, während sich weltweit in zahlreichen Ländern immer mehr Menschen gegen die Hegemonie des Kapitals auflehnen und harte Kämpfe für ein besseres Leben als im Kapitalismus führen.

Jammern ist zwar berechtigt, bringt uns jedoch nicht weiter. Um wirklich etwas zu verändern müssen wir auch selbst dafür kämpfen!

Unser Widerstand wird nur dann erfolgreich sein, wenn Staat und Kapital ihn wirklich zu spüren bekommen. Egal, ob es darum geht, die über Jahrhunderte erkämpften Rechte zu verteidigen, unsere Lebensbedingungen zu verbessern oder in die Offensive zu gehen, bis hin zum Kampf um das, was uns wirklich zusteht: der gesellschaftlich produzierte Reichtum für alle und die Produktionsmittel in die Hände aller und das überall! Ganz einfach: Alles für alle!

Redebeitrag, gehalten auf einer Montagsdemo in Mannheim von einem Mitglied der Anarchistischen Gruppe Mannheim








Terminkalender:

21.10.2017
SOMA (Selbstorganisiert in Mannheim)
Umsonstflohmarkt
12.00 bis 16.00 Uhr · WildWest e.V. · Alphornstraße 38 · Mannheim



25.10.2017
SOMA (Selbstorganisiert in Mannheim)
Planungstreffen
19.30 Uhr · ASV · Beilstraße 12 (Hinterhaus) · Mannheim



05.11.2017
SOMA (Selbstorganisiert in Mannheim)
Vokü und Statusbericht
19.00 Uhr · ASV · Beilstraße 12 (Hinterhaus) · Mannheim



08.11.2017
SOMA (Selbstorganisiert in Mannheim)
Planungstreffen
19.30 Uhr · ASV · Beilstraße 12 (Hinterhaus) · Mannheim



18.11.2017
SOMA (Selbstorganisiert in Mannheim)
Umsonstflohmarkt
12.00 bis 16.00 Uhr · WildWest e.V. · Alphornstraße 38 · Mannheim



22.11.2017
SOMA (Selbstorganisiert in Mannheim)
Planungstreffen
19.30 Uhr · ASV · Beilstraße 12 (Hinterhaus) · Mannheim